Reimbibel: Unterschied zwischen den Versionen
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Das ist,<br/> | Das ist,<br/> | ||
<span style="font-size:120%">Die gantze heylige Schrifft:</span><br/> | <span style="font-size:120%">Die gantze heylige Schrifft:</span><br/> | ||
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Anno Christi<br/> | Anno Christi<br/> | ||
O D<span style="font-size:80%">E</span>Vs, proteCtor MeVs.erIs. psal: 3.</i> | O D<span style="font-size:80%">E</span>Vs, proteCtor MeVs.erIs. psal: 3.</i> | ||
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Die in zwei Bänden (Bd 1: Altes Testament und Apokryphen, Bd. 2: Neues Testament) ausgeführte "Reimbibel" ist von Steuerlein innerhalb von acht Jahren, genauer: zwischen dem 21. Juni 1601 und dem 10. Juni 1609 gedichtet worden. Der Band des Alten Testaments (einschließlich der Apokryphen) beginnt auf ungezählten Blättern mit Steuerleins Vorwort und einer anschließenden Vorrede Polycarp Leysers. Es folgen sechs lateinische Widmungsgedichte und das Inhaltsverzeichnis der Bibeltexte. Die Handschrift (Cod. Guelf 188 helmst.) hat 770 Blätter (davon 2 eingebundene Einlegezettel mit Ergänzungen/Korrekturen) + 1 losen Einlegezettel). Steuerlein zählte 757 Blätter, ließ allerdings die Nr. 202 aus (d.h. auf 201 folgt 203).<br/> Der Band des Neuen Testaments (Cod. Guelf. 189 helmst.) enthält außer dem Titelblatt lediglich ein eigenes Inhaltsverzeichnis und hat 192 Blätter (191 von Steuerlein gezählt (außer Titelblatt)). | Die in zwei Bänden (Bd 1: Altes Testament und Apokryphen, Bd. 2: Neues Testament) ausgeführte "Reimbibel" ist von Steuerlein innerhalb von acht Jahren, genauer: zwischen dem 21. Juni 1601 und dem 10. Juni 1609 gedichtet worden. Der Band des Alten Testaments (einschließlich der Apokryphen) beginnt auf ungezählten Blättern mit Steuerleins Vorwort und einer anschließenden Vorrede Polycarp Leysers. Es folgen sechs lateinische Widmungsgedichte und das Inhaltsverzeichnis der Bibeltexte. Die Handschrift (Cod. Guelf 188 helmst.) hat 770 Blätter (davon 2 eingebundene Einlegezettel mit Ergänzungen/Korrekturen) + 1 losen Einlegezettel). Steuerlein zählte 757 Blätter, ließ allerdings die Nr. 202 aus (d.h. auf 201 folgt 203).<br/> Der Band des Neuen Testaments (Cod. Guelf. 189 helmst.) enthält außer dem Titelblatt lediglich ein eigenes Inhaltsverzeichnis und hat 192 Blätter (191 von Steuerlein gezählt (außer Titelblatt)). Der Text des Alten Testaments ist auf 1489 Seiten niedergeschrieben, das Neue Testament auf 380 Seiten (jeweils ohne Seiten mit Zwischentiteln, Leerseiten und die Einlegezettel). | ||
==Vorwort Johann Steuerlein== | ==Vorwort Johann Steuerlein== | ||
[[Datei:Monosticha Titel.png|mini]] | [[Datei:Monosticha Titel.png|mini|Digitalisat: Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel [https://diglib.hab.de/drucke/394-28-quod-2s/start.html (https://diglib.hab.de/drucke/394-28-quod-2s/start.html]).]] | ||
In seinem Vorwort (datiert 1. Januar 1611) schildert Steuerlein die Entstehungshintergründe seiner Reimbibel. Als Vorbilder nennt er namentlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Helmbold Ludwig Helmbold] (1532-1598) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Mergilet Andreas Mergilet] (1539-1606). Steuerlein hatte Dichtungen des Mühlhausener Pfarrers Helmbold vertont und 1575 drucken lassen (<i>"XXI. Geistliche Lieder"</i> (Erfurt: Georg Baumann, 1575)). Im Jahr zuvor waren gedruckt dessen <i>"Monosticha, In Singvla Sacrorvm Bibliorvm Capita: Memoriae Theologorum inseruire iussa"</i> erschienen ((Mühlhausen: Hantzsch, 1574) [https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/24L77MOZLCKDFK6UR7S7S2X4ASJT4TLR Digitalisat der HAB Wolfenbüttel]). Dabei handelt es sich um einversige (gr. [https://de.wikipedia.org/wiki/Monostichon Monostichon]) lateinische Verse über jedes Kapitel der Bücher des Alten Testaments, die - so der Titel - den Theologen als Memorierhilfe dienen sollten. | In seinem Vorwort (datiert 1. Januar 1611) schildert Steuerlein die Entstehungshintergründe seiner Reimbibel. Als Vorbilder nennt er namentlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Helmbold Ludwig Helmbold] (1532-1598) und [https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Mergilet Andreas Mergilet] (1539-1606). Steuerlein hatte Dichtungen des Mühlhausener Pfarrers Helmbold vertont und 1575 drucken lassen (<i>"XXI. Geistliche Lieder"</i> (Erfurt: Georg Baumann, 1575)). Im Jahr zuvor waren gedruckt dessen <i>"Monosticha, In Singvla Sacrorvm Bibliorvm Capita: Memoriae Theologorum inseruire iussa"</i> erschienen ((Mühlhausen: Hantzsch, 1574) [https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/24L77MOZLCKDFK6UR7S7S2X4ASJT4TLR Digitalisat der HAB Wolfenbüttel]). Dabei handelt es sich um einversige (gr. [https://de.wikipedia.org/wiki/Monostichon Monostichon]) lateinische Verse über jedes Kapitel der Bücher des Alten Testaments, die - so der Titel - den Theologen als Memorierhilfe dienen sollten. | ||
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Des einign Samariters gunst | Des einign Samariters gunst | ||
: Tregt / hilfft / herrbergt / pflegt / heilt umb sunst.</i><ref>https://books.google.de/books/content?id=ZYY89YvTafgC&hl=de&pg=PP79&img=1&zoom=3&sig=ACfU3U3yz2b_72g7bOHEPMD_o9kKcCGwoQ&ci=216%2C783%2C657%2C369&edge=0</ref> | : Tregt / hilfft / herrbergt / pflegt / heilt umb sunst.</i><ref>https://books.google.de/books/content?id=ZYY89YvTafgC&hl=de&pg=PP79&img=1&zoom=3&sig=ACfU3U3yz2b_72g7bOHEPMD_o9kKcCGwoQ&ci=216%2C783%2C657%2C369&edge=0</ref> | ||
[[Datei:Jesus Sirach 1581.jpg|mini]] | [[Datei:Jesus Sirach 1581.jpg|mini|Bildrechte: Württembergische Landesbibliothek (http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz383363446) ]] | ||
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* Stücke zu Esther | * Stücke zu Esther | ||
* Stücke zu Daniel (darunter u.a. Der Gesang der drei Männer im Feuerofen und das Gebet Manasses) | * Stücke zu Daniel (darunter u.a. Der Gesang der drei Männer im Feuerofen und das Gebet Manasses) | ||
Steuerlein widmete sein Werk dem Rat der Stadt Nürnberg, da er die Hoffnung hatte, dass die evangelische Reichstadt im Herzen Frankens über die Mittel verfügen würde sein Werk | Steuerlein widmete sein Werk dem Rat der Stadt Nürnberg, da er die Hoffnung hatte, dass die evangelische Reichstadt im Herzen Frankens über die Mittel verfügen würde sein Werk | ||
zu drucken und ihm zur weiteren Verbreitung zu verhelfen. Entsprechend erwähnt er einerseits das Werk des Nürnbergers [https://de.wikipedia.org/wiki/Veit_Dietrich Veit Dietrichs (1505-1549)], dessen Summarien zum Alten und Neuen Testament vielfach gedruckt wurden und dessen Texte Steuerlein auch in seiner Reimbibel gelegentlich als Grundlage verwendete (u.a. Jona). Andererseits macht er keineswegs unbescheiden auf das Beispiel eines anderen Nürnbergers, des Dichters [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Sachs Hans Sachs (1494-1576)] aufmerksam. Es sei: | |||
: <i>auch <abbr>Mennigklich</abbr> <abbr>gnugsam</abbr> bekandtt, das Ewuern Ehrnvh: Hochw: Vorfahren Jm Regiment, des Alten Deutschen Poeten, Hanßen Sachsens, zu Nurnbergk, seligen, alle seine beruembtn Poemata, Geistliche Texte, vnd Weltlicher Materien, wie dieselbe hin vnd wider noch Jm Truck befundten werdten, mechttig sehr befördert, vnd demselben allerley großgünstige Hülffe vnd Vorschub gethan.</i> | : <i>auch <abbr>Mennigklich</abbr> <abbr>gnugsam</abbr> bekandtt, das Ewuern Ehrnvh: Hochw: Vorfahren Jm Regiment, des Alten Deutschen Poeten, Hanßen Sachsens, zu Nurnbergk, seligen, alle seine beruembtn Poemata, Geistliche Texte, vnd Weltlicher Materien, wie dieselbe hin vnd wider noch Jm Truck befundten werdten, mechttig sehr befördert, vnd demselben allerley großgünstige Hülffe vnd Vorschub gethan.</i> | ||
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Es ist allerdings nicht klar, ob die Anmerkung von Steuerlein selbst stammt. Möglich ist, dass jemand, der Zugriff zum Original der Vorrede Leysers hatte (vermutlich einen Brief), diese Korrektur vornahm. | Es ist allerdings nicht klar, ob die Anmerkung von Steuerlein selbst stammt. Möglich ist, dass jemand, der Zugriff zum Original der Vorrede Leysers hatte (vermutlich einen Brief), diese Korrektur vornahm. | ||
Polycarp Leyser war wahrscheinlich die einflussreichste Persönlichkeit des Luthertums in Sachsen, da er als Generalsuperintendent des Sächsischen Kurkreises die Rolle einer Art "Landesbischof" einnahm. Er unterstützte Steuerleins Unternehmung, und argumentierte in seiner Vorrede mit einem Verweis auf <i>Kolosser</i>, Kap. 3, Vers 16: | |||
: <i>Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen:<br /> Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit;<br /> mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. </i> (Luther 2017) | |||
Die Kenntnis der Heiligen Schrift werde nicht nur durch Auslegung und Kommentar, sondern auch durch gereimte Übertragung gefördert, zumal Teile des Alten Testaments selbst in dichterischer Weise verfasst seien und dies dem Geschmack der Jugend und der leichteren Merkbarkeit des Textes entgegenkomme. | Die Kenntnis der Heiligen Schrift werde nicht nur durch Auslegung und Kommentar, sondern auch durch gereimte Übertragung gefördert, zumal Teile des Alten Testaments selbst in dichterischer Weise verfasst seien und dies dem Geschmack der Jugend und der leichteren Merkbarkeit des Textes entgegenkomme. | ||
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Das Werk enthält sechs lateinische Widmungsgedichte, die von Personen verfasst wurden, die Steuerlein persönlich oder beruflich nahestanden. Bei fünf von Ihnen handelt es sich um evangelische Pastoren (drei davon aus Meiningen): | Das Werk enthält sechs lateinische Widmungsgedichte, die von Personen verfasst wurden, die Steuerlein persönlich oder beruflich nahestanden. Bei fünf von Ihnen handelt es sich um evangelische Pastoren (drei davon aus Meiningen): | ||
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Heider Wolfgang Heider (1558-1626)], Ethik- und Politk-Professor an der Universität Jena. In seiner Widmung vergleicht er Steuerlein mit den antiken Dichtern Homer und Vergil und bezeichnet ihn als größer als alles "was Latium und Griechenland" nur hervorgebracht habe. Zudem seien die biblischen Inhalte den Themen der heidnischen Dichter, die erfundenen Sagen griechischer Helden und Götter erzählen, überlegen. | * [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Heider <b>Wolfgang Heider (1558-1626)</b>], Ethik- und Politk-Professor an der Universität Jena.<br/> | ||
* Hieronymus Pfnör [der Jüngere] (1547-1614), Pfarrer und Inspektor zu Tann/Rhön. | : In seiner Widmung vergleicht er Steuerlein mit den antiken Dichtern Homer und Vergil und bezeichnet ihn als größer als alles "was Latium und Griechenland" nur hervorgebracht habe. Zudem seien die biblischen Inhalte den Themen der heidnischen Dichter, die erfundenen Sagen griechischer Helden und Götter erzählen, überlegen. | ||
* <b>Hieronymus Pfnör [der Jüngere] (1547-1614)</b>, Pfarrer und Inspektor zu Tann/Rhön.<br/> | |||
: Pfnör ist der Sohn des (chronologisch) zweiten evangelischen Pfarrer von Schmalkalden (1549-1566), Hieronymus Pfnör Sr. (1519-1566) der seinerzeit Amtsbruder von Steuerleins Vater, dem Archdiakon Caspar Steuerlein (1492-1559) war.<ref>https://www.google.de/books/edition/Th%C3%BCringer_Pfarrerbuch/uS8jEAAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Hieronymus+Pfn%C3%B6r+Schmalkalden&pg=PA496&printsec=frontcover&bshm=rime/1,rime/1</ref> Der mit Johann Steuerlein fast gleichalte, 1547 zu Schleusingen geborene jüngere Hieronymus war bis 1581 Diakon in Schmalkalden. Wegen theologischer Differenzen wurde er jedoch aus dem Amt verabschiedet und danach Pfarrer und Inspektor zu Tann/Rhön.<ref>https://www.google.de/books/edition/Biographische_und_litterarische_Nachrich/Msk5AAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Hieronymus+Pfn%C3%B6r+Schmalkalden&pg=PA116&printsec=frontcover&bshm=rime/1</ref> Pfnör verfasste einen Trauergesang aus Anlass von Steuerleins Tod für Johann Güths Leichenpredigt (1613). Pfnörs Widmung ist augenscheinlich die persönlichste, da er auf jede überflüssige Lobhudelei und kunstvolle Anspielungen und überbietende Vergleiche verzichtet und stattdessen Steuerleins Lebenssituation aufgreift: Ein Mann, der durch sein Amt als Stadtschultheiß, hohes Alter und Krankheit geplagt sei und sich manchmal schon den Tod wünsche. Pfnör erbittet für ihn in schlichten Worten Gottes Beistand. | : Pfnör ist der Sohn des (chronologisch) zweiten evangelischen Pfarrer von Schmalkalden (1549-1566), Hieronymus Pfnör Sr. (1519-1566) der seinerzeit Amtsbruder von Steuerleins Vater, dem Archdiakon Caspar Steuerlein (1492-1559) war.<ref>https://www.google.de/books/edition/Th%C3%BCringer_Pfarrerbuch/uS8jEAAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Hieronymus+Pfn%C3%B6r+Schmalkalden&pg=PA496&printsec=frontcover&bshm=rime/1,rime/1</ref> Der mit Johann Steuerlein fast gleichalte, 1547 zu Schleusingen geborene jüngere Hieronymus war bis 1581 Diakon in Schmalkalden. Wegen theologischer Differenzen wurde er jedoch aus dem Amt verabschiedet und danach Pfarrer und Inspektor zu Tann/Rhön.<ref>https://www.google.de/books/edition/Biographische_und_litterarische_Nachrich/Msk5AAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Hieronymus+Pfn%C3%B6r+Schmalkalden&pg=PA116&printsec=frontcover&bshm=rime/1</ref> Pfnör verfasste einen Trauergesang aus Anlass von Steuerleins Tod für Johann Güths Leichenpredigt (1613). Pfnörs Widmung ist augenscheinlich die persönlichste, da er auf jede überflüssige Lobhudelei und kunstvolle Anspielungen und überbietende Vergleiche verzichtet und stattdessen Steuerleins Lebenssituation aufgreift: Ein Mann, der durch sein Amt als Stadtschultheiß, hohes Alter und Krankheit geplagt sei und sich manchmal schon den Tod wünsche. Pfnör erbittet für ihn in schlichten Worten Gottes Beistand. | ||
* Johann Güth (1561-1629), Pfarrer zu Meiningen. | * <b>Johann Güth (1561-1629)</b>, Pfarrer zu Meiningen. | ||
: Laut Georg Brückners "Pfarrbuch der Diöcesen Meiningen, Wasungen und Salzungen (1862, Bd. 2)[https://collections.thulb.uni-jena.de/receive/HisBest_cbu_00031927] war er geboren 1561 in Wasungen, 1584 ordiniert und Diakon in Wasungen. 1587 Pfarrer in Roßdorf. 1604 Vize-Pastor in Meiningen, 1612 Pfarrer, Superintendent und Consistorialis. 1624 wegen Krankheit vom Pfarramt entbunden. 1629 (9. April) in Meiningen verstorben und in der Kirche beim Altar bestattet. Sein Enkel war Johann Sebastian Güth (1628-1677), Verfasser der Meininger Chronik <i>Poligraphia Meiningensis</i>. Johann Güth bestattete 1613 Johann Steuerlein und aus seiner Feder stammt die an biographischen Angaben reiche [https://dhb.thulb.uni-jena.de/receive/ufb_cbu_00039816?derivate=ufb_derivate_00019540 Leichenpredigt]. Sein Bruder Paul(us) Güth, Pfarrer zu Sülzfeld (+1628), verfasste dafür einen Trauergesang (Epicedeion).<ref>https://www.google.de/books/edition/Neue_Beitr%C3%A4ge_zur_Geschichte_deutschen/g2kAAAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Johann+G%C3%BCth+1629&pg=PA31&printsec=frontcover&bshm=rime/1 und https://books.google.de/books?id=MlFoAAAAcAAJ&lpg=PA327&ots=CYn8rfSK6x&dq=%22johann%20g%C3%BCth%22%20Meiningen&hl=de&pg=PA327#v=onepage&q&f=false</ref> Güths Gedicht ist das längste. Auch er stellt (ebenso wie Polycarp Leyser, dessen Vorrede er sicher kannte) den Bezug zu Kolosser 3:16 her und sieht Steuerleins Arbeit in erster Linie als ernstes und frommes Werk der Bibelauslegung, das zugleich die Übersetzungsleistung Martin Luthers fortführt und zu geistlichen Früchten wie "rechter Glaube, Frömmigkeit, brennende Liebe, Demut, die Furcht vor dem höchsten NAMEN" anregen werde. | : Laut Georg Brückners "Pfarrbuch der Diöcesen Meiningen, Wasungen und Salzungen (1862, Bd. 2)[https://collections.thulb.uni-jena.de/receive/HisBest_cbu_00031927] war er geboren 1561 in Wasungen, 1584 ordiniert und Diakon in Wasungen. 1587 Pfarrer in Roßdorf. 1604 Vize-Pastor in Meiningen, 1612 Pfarrer, Superintendent und Consistorialis. 1624 wegen Krankheit vom Pfarramt entbunden. 1629 (9. April) in Meiningen verstorben und in der Kirche beim Altar bestattet. Sein Enkel war Johann Sebastian Güth (1628-1677), Verfasser der Meininger Chronik <i>Poligraphia Meiningensis</i>. Johann Güth bestattete 1613 Johann Steuerlein und aus seiner Feder stammt die an biographischen Angaben reiche [https://dhb.thulb.uni-jena.de/receive/ufb_cbu_00039816?derivate=ufb_derivate_00019540 Leichenpredigt]. Sein Bruder Paul(us) Güth, Pfarrer zu Sülzfeld (+1628), verfasste dafür einen Trauergesang (Epicedeion).<ref>https://www.google.de/books/edition/Neue_Beitr%C3%A4ge_zur_Geschichte_deutschen/g2kAAAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Johann+G%C3%BCth+1629&pg=PA31&printsec=frontcover&bshm=rime/1 und https://books.google.de/books?id=MlFoAAAAcAAJ&lpg=PA327&ots=CYn8rfSK6x&dq=%22johann%20g%C3%BCth%22%20Meiningen&hl=de&pg=PA327#v=onepage&q&f=false</ref> Güths Gedicht ist das längste. Auch er stellt (ebenso wie Polycarp Leyser, dessen Vorrede er sicher kannte) den Bezug zu Kolosser 3:16 her und sieht Steuerleins Arbeit in erster Linie als ernstes und frommes Werk der Bibelauslegung, das zugleich die Übersetzungsleistung Martin Luthers fortführt und zu geistlichen Früchten wie "rechter Glaube, Frömmigkeit, brennende Liebe, Demut, die Furcht vor dem höchsten NAMEN" anregen werde. | ||
* Johann(es) Friedrich (1575-1642), Archidiakon zu Meiningen.<ref>https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=meiningen&ID=I10654&lang=de</ref> Friedrich bringt in seinem kurzen Gedicht ein Zitat aus Horaz <i>Von der Dichtungkunst</i>: "Und neun Jahre sei es verborgen" und spielt damit auf die 8-jährige Schaffensperiode des Werkes an. Seine Bezeichnung ''Biblia Rhythmica'' kann (nicht ganz deckungsgleich) mit "Reimbibel" übersetzt werden. | * <b>Johann(es) Friedrich (1575-1642)</b>, Archidiakon zu Meiningen.<ref>https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=meiningen&ID=I10654&lang=de</ref> | ||
* Caspar Halbich (1572-1632), Diakon zu Meiningen.<ref>https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=meiningen&ID=I12441&lang=de und https://www.google.de/books/edition/Neue_beitr%C3%A4ge_zur_Geschichte_deutschen/o2QOAAAAYAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=%22Caspar+Halbich%22+%22Meiningen%22&pg=PA74&printsec=frontcover&bshm=rime/1,rime/1</ref> Halbichs kurzes Gedicht preist die vielfältigen Wege das Wort Gottes zu verbreiten, von denen Steuerlein ebenfalls durch seine Talente Gebrauch machen konnte. | : Friedrich bringt in seinem kurzen Gedicht ein Zitat aus Horaz <i>Von der Dichtungkunst</i>: "Und neun Jahre sei es verborgen" und spielt damit auf die 8-jährige Schaffensperiode des Werkes an. Seine Bezeichnung ''Biblia Rhythmica'' kann (nicht ganz deckungsgleich) mit "Reimbibel" übersetzt werden. | ||
* Johann Ebert, (+1650), Dekan zu Kühndorf.<ref>https://www.google.de/books/edition/Biographische_und_litterarische_Nachrich/Msk5AAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Johann+Ebert+K%C3%BChndorf&pg=PA286&printsec=frontcover&bshm=rime/1</ref> Eberts Gedicht ist vielleicht das bemerkenswerteste von allen, weil er den zeitgenössischen Kontext und die unterschiedlichen Auffassungen von evangelischer und katholischer Seite im Hinblick auf Bibelübersetzungen in die Volkssprachen anspricht: Volkssprachliche Übersetzungen bürgen die Gefahr, dass "Ungeschulte" mit biblischen Geschichten konfrontiert würden, die einzuordnen ihnen die Kompetenz fehlen würde und für den Glauben eine Gefahr darstelle. Er spielt damit auf die Beschlüsse des katholischen Konzils von Trient (1545-1563) an, das den Druck von volkssprachlichen Übersetzungen strikt regelte und den Zugang zu ihnen einschränkte. Steuerlein werde - so die ironisierende Übertreibung des evangelischen Pfarrers - mit seiner Reimbibel gewiss als "Oberketzer" (''Heresiarcha'') eingestuft werden und Unruhen hervorrufen, wenn die Jugend schwere biblische Inhalte in "hüpfendem Metrum" zu lesen bekäme. Ebert kommt natürlich in Abwägung der Positionen, Gottes Wort entweder bekannter zu machen oder doch sicherheitshalber zu verschließen, zu dem gut reformatorischen Schluss, dass man doch die "durstigen Hirsche" vom Quell trinken lassen müsse (vgl. Psalm 42:2), auch wenn man damit zugleich "Schweine sättigt", die man eigentlich an den Styx (den Fluss der Unterwelt = Hölle) treiben müsste. In einer weiteren Andeutung spielt er nebenbei spielt auf die Kriegsgefahr dieser Zeit an und meint das mögliche Eingreifen Frankreich in den Jülisch-Klevischen Erbstreit (1609/1610), womit er einen Hinweis auf die Abfassungszeit seines Gedichtes gibt. Es muss vermutlich noch vor oder kurz nach der Ermordung des französischen Königs Heinrich IV. (14. Mai 1610) verfasst sein, da sich die politische Lage danach entspannte. | * <b>Caspar Halbich (1572-1632),</b> Diakon zu Meiningen.<ref>https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=meiningen&ID=I12441&lang=de und https://www.google.de/books/edition/Neue_beitr%C3%A4ge_zur_Geschichte_deutschen/o2QOAAAAYAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=%22Caspar+Halbich%22+%22Meiningen%22&pg=PA74&printsec=frontcover&bshm=rime/1,rime/1</ref> | ||
: Halbichs kurzes Gedicht preist die vielfältigen Wege das Wort Gottes zu verbreiten, von denen Steuerlein ebenfalls durch seine Talente Gebrauch machen konnte. | |||
* <b>Johann Ebert, (+1650),</b> Dekan zu Kühndorf.<ref>https://www.google.de/books/edition/Biographische_und_litterarische_Nachrich/Msk5AAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Johann+Ebert+K%C3%BChndorf&pg=PA286&printsec=frontcover&bshm=rime/1</ref> | |||
: Eberts Gedicht ist vielleicht das bemerkenswerteste von allen, weil er den zeitgenössischen Kontext und die unterschiedlichen Auffassungen von evangelischer und katholischer Seite im Hinblick auf Bibelübersetzungen in die Volkssprachen anspricht: Volkssprachliche Übersetzungen bürgen die Gefahr, dass "Ungeschulte" mit biblischen Geschichten konfrontiert würden, die einzuordnen ihnen die Kompetenz fehlen würde und für den Glauben eine Gefahr darstelle. Er spielt damit auf die Beschlüsse des katholischen Konzils von Trient (1545-1563) an, das den Druck von volkssprachlichen Übersetzungen strikt regelte und den Zugang zu ihnen einschränkte. Steuerlein werde - so die ironisierende Übertreibung des evangelischen Pfarrers - mit seiner Reimbibel gewiss als "Oberketzer" (''Heresiarcha'') eingestuft werden und Unruhen hervorrufen, wenn die Jugend schwere biblische Inhalte in "hüpfendem Metrum" zu lesen bekäme. Ebert kommt natürlich in Abwägung der Positionen, Gottes Wort entweder bekannter zu machen oder doch sicherheitshalber zu verschließen, zu dem gut reformatorischen Schluss, dass man doch die "durstigen Hirsche" vom Quell trinken lassen müsse (vgl. Psalm 42:2), auch wenn man damit zugleich "Schweine sättigt", die man eigentlich an den Styx (den Fluss der Unterwelt = Hölle) treiben müsste. In einer weiteren Andeutung spielt er nebenbei spielt auf die Kriegsgefahr dieser Zeit an und meint das mögliche Eingreifen Frankreich in den Jülisch-Klevischen Erbstreit (1609/1610), womit er einen Hinweis auf die Abfassungszeit seines Gedichtes gibt. Es muss vermutlich noch vor oder kurz nach der Ermordung des französischen Königs Heinrich IV. (14. Mai 1610) verfasst sein, da sich die politische Lage danach entspannte. | |||
==Inhaltsverzeichnis Altes Testament (Abschrift nach der Handschrift)== | ==Inhaltsverzeichnis Altes Testament (Abschrift nach der Handschrift)== | ||
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==Grafik: Umfang der einzelnen biblischen Bücher innerhalb der Handschriften== | ==Grafik: Umfang der einzelnen biblischen Bücher innerhalb der Handschriften== | ||
Wie in der unteren Grafik zu erkennen stechen insbesondere die vollständig bearbeiteten Bücher, | Wie in der unteren Grafik zu erkennen stechen insbesondere die vollständig bearbeiteten Bücher der Weisheitsliteratur, konkret der Psalter (8952 Verszeilen), die Sprüche (3426 Verszeilen) und das (apokryphe) Jesus Sirach (5938 Verszeilen) heraus und machen zusammen somit ein Viertel des Gesamtwerks aus. Sie sind damit bei Steuerlein doppelt so stark vertreten wie in der Bibel selbst (Der Psalter beispielsweise umfasst darin 10,9% der Verse der Schriften des hebräischen Alten Testaments, bei Steuerlein dagegen 19,5 %). | ||
Auch einige andere Bücher sind überrepräsentiert (z.B. 1. Mose (Genesis (3832 Verszeilen) und das Matthäusevangelium (3486 Verszeilen)), während andere im Vergleich deutlich kürzer ausfallen (z.B. 3. Mose (Leviticus (402 Verszeilen) und das Johannesevangelium (850 Verszeilen)). | |||
[[Datei:Übersicht_Reimbibel_Verszeilen.png|ohne|mini|800x800px|Anzahl der Verszeilen der einzelnen Bücher in Steuerleins Reimbibel (Alten Testaments (blau), Apokryphen (rot), Neues Testaments (grün))]] | |||
===Tabellarische Übersicht=== | |||
{| class="mw-collapsible" | |||
|+ <span style="font-size:120%"><b>''Umfang der Bücher''</b></span> | |||
! Buch | |||
! Seiten | |||
|- | |||
| Genesis | |||
| 123 | |||
|- | |||
|Exodus | |||
|71 | |||
|- | |||
|Levitius | |||
|14 | |||
|- | |||
|Numeri | |||
|41 | |||
|- | |||
|Deuteronomium | |||
|34 | |||
|- | |||
|Josua | |||
|32 | |||
|- | |||
|Richter | |||
|40 | |||
|- | |||
|Ruth | |||
|11 | |||
|- | |||
|1. Samuel | |||
|65 | |||
|- | |||
|2. Samuel | |||
|32 | |||
|- | |||
|1. Könige | |||
|38 | |||
|- | |||
|2. Könige | |||
|40 | |||
|- | |||
|1. Chronik | |||
|19 | |||
|- | |||
|2. Chronik | |||
|53 | |||
|- | |||
|Esra | |||
|5 | |||
|- | |||
|Nehemia | |||
|8 | |||
|- | |||
|Esther | |||
|14 | |||
|- | |||
|Hiob | |||
|26 | |||
|- | |||
|Psalmen | |||
|237 | |||
|- | |||
|Sprüche | |||
|76 | |||
|- | |||
|Prediger | |||
|13 | |||
|- | |||
|Hohelied | |||
|7 | |||
|- | |||
|Jesaja | |||
|50 | |||
|- | |||
|Jeremia | |||
|43 | |||
|- | |||
|Klagelieder | |||
|5 | |||
|- | |||
|Hesekiel | |||
|28 | |||
|- | |||
|Daniel | |||
|35 | |||
|- | |||
|Zwölfprophetenbuch | |||
|59 | |||
|- | |||
|Judith | |||
|29 | |||
|- | |||
|Weisheit | |||
|12 | |||
|- | |||
|Tobit | |||
|28 | |||
|- | |||
|Jesus Sirach | |||
|122 | |||
|- | |||
|Baruch | |||
|5 | |||
|- | |||
|1. Makkabäer | |||
|23 | |||
|- | |||
|2. Makkabäer | |||
|25 | |||
|- | |||
|Zusätze zu Esther | |||
|12 | |||
|- | |||
|Zusätze zu Daniel | |||
|15 | |||
|- | |||
|Gebet Manasses | |||
|2 | |||
|- | |||
|Matthäus | |||
|81 | |||
|- | |||
|Markus | |||
|45 | |||
|- | |||
|Lukas | |||
|55 | |||
|- | |||
|Johannes | |||
|21 | |||
|- | |||
|Apostelgeschichte | |||
|55 | |||
|- | |||
|Römer | |||
|12 | |||
|- | |||
|1. Korinther | |||
|9 | |||
|- | |||
|2. Korinther | |||
|12 | |||
|- | |||
|Galater | |||
|10 | |||
|- | |||
|Epheser | |||
|6 | |||
|- | |||
|Philipper | |||
|2 | |||
|- | |||
|Kolosser | |||
|5 | |||
|- | |||
|1. Thessalonicher | |||
|7 | |||
|- | |||
|2. Thessalonicher | |||
|3 | |||
|- | |||
|1. Timotheus | |||
|6 | |||
|- | |||
|2. Timotheus | |||
|4 | |||
|- | |||
|Titus | |||
|3 | |||
|- | |||
|Philemon | |||
|1 | |||
|- | |||
|1. Petrus | |||
|7 | |||
|- | |||
|2. Petrus | |||
|3 | |||
|- | |||
|1. Johannes | |||
|4 | |||
|- | |||
|2. Johannes | |||
|1 | |||
|- | |||
|3. Johannes | |||
|2 | |||
|- | |||
|Hebräer | |||
|7 | |||
|- | |||
|Jakobus | |||
|4 | |||
|- | |||
|Judas | |||
|1 | |||
|- | |||
|Offenbarung | |||
|27 | |||
|- | |||
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|} | |||
==Belege und Anmerkungen== | ==Belege und Anmerkungen== | ||
<references /> | <references /> | ||