Reimbibel: Unterschied zwischen den Versionen
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==Widmungsgedichte== | ==Widmungsgedichte== | ||
Das Werk enthält sechs lateinische Widmungsgedichte, die von Personen verfasst wurden, die Steuerlein persönlich oder beruflich nahestanden. Bei fünf von Ihnen handelt es sich um evangelische Pastoren (drei davon aus Meiningen): | |||
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Heider Wolfgang Heider (1558-1626)], Ethik- und Politk-Professor an der Universität Jena. In seiner Widmung vergleicht er Steuerlein mit den antiken Dichtern Homer und Vergil und bezeichnet ihn als größer als alles "was Latium und Griechenland" nur | * [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Heider Wolfgang Heider (1558-1626)], Ethik- und Politk-Professor an der Universität Jena. In seiner Widmung vergleicht er Steuerlein mit den antiken Dichtern Homer und Vergil und bezeichnet ihn als größer als alles "was Latium und Griechenland" nur hervorgebracht habe. Zudem seien die biblischen Inhalte den Themen der heidnischen Dichter, die erfundenen Sagen griechischer Helden und Götter erzählen, überlegen. | ||
* Hieronymus Pfnör [der Jüngere] (1547-1614), Pfarrer und Inspektor zu Tann/Rhön. | * Hieronymus Pfnör [der Jüngere] (1547-1614), Pfarrer und Inspektor zu Tann/Rhön. | ||
: Sohn des chronologisch zweiten evangelischen Pfarrer von Schmalkalden (1549-1566), Hieronymus Pfnör Sr. (1519-1566) | : Pfnör ist der Sohn des (chronologisch) zweiten evangelischen Pfarrer von Schmalkalden (1549-1566), Hieronymus Pfnör Sr. (1519-1566) der seinerzeit Amtsbruder von Steuerleins Vater, dem Archdiakon Caspar Steuerlein (1492-1559) war.<ref>https://www.google.de/books/edition/Th%C3%BCringer_Pfarrerbuch/uS8jEAAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Hieronymus+Pfn%C3%B6r+Schmalkalden&pg=PA496&printsec=frontcover&bshm=rime/1,rime/1</ref> Der mit Johann Steuerlein fast gleichalte, 1547 zu Schleusingen geborene jüngere Hieronymus war bis 1581 Diakon in Schmalkalden. Wegen theologischer Differenzen wurde er jedoch aus dem Amt verabschiedet und danach Pfarrer und Inspektor zu Tann/Rhön.<ref>https://www.google.de/books/edition/Biographische_und_litterarische_Nachrich/Msk5AAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Hieronymus+Pfn%C3%B6r+Schmalkalden&pg=PA116&printsec=frontcover&bshm=rime/1</ref> Pfnör verfasste einen Trauergesang aus Anlass von Steuerleins Tod für Johann Güths Leichenpredigt (1613). Pfnörs Widmung ist augenscheinlich die persönlichste, da er auf jede überflüssige Lobhudelei und kunstvolle Anspielungen und überbietende Vergleiche verzichtet und stattdessen Steuerleins Lebenssituation aufgreift: Ein Mann, der durch sein Amt als Stadtschultheiß, hohes Alter und Krankheit geplagt sei und sich manchmal schon den Tod wünsche. Pfnör erbittet für ihn in schlichten Worten Gottes Beistand. | ||
* Johann Güth (1561-1629), Pfarrer zu Meiningen. | * Johann Güth (1561-1629), Pfarrer zu Meiningen. | ||
: | : Laut Georg Brückners "Pfarrbuch der Diöcesen Meiningen, Wasungen und Salzungen (1862, Bd. 2)[https://collections.thulb.uni-jena.de/receive/HisBest_cbu_00031927] war er geboren 1561 in Wasungen, 1584 ordiniert und Diakon in Wasungen. 1587 Pfarrer in Roßdorf. 1604 Vize-Pastor in Meiningen, 1612 Pfarrer, Superintendent und Consistorialis. 1624 wegen Krankheit vom Pfarramt entbunden. 1629 (9. April) in Meiningen verstorben und in der Kirche beim Altar bestattet. Sein Enkel war Johann Sebastian Güth (1628-1677), Verfasser der Meininger Chronik <i>Poligraphia Meiningensis</i>. Johann Güth bestattete 1613 Johann Steuerlein und aus seiner Feder stammt die an biographischen Angaben reiche [https://dhb.thulb.uni-jena.de/receive/ufb_cbu_00039816?derivate=ufb_derivate_00019540 Leichenpredigt]. Sein Bruder Paul(us) Güth, Pfarrer zu Sülzfeld (+1628), verfasste dafür einen Trauergesang (Epicedeion).<ref>https://www.google.de/books/edition/Neue_Beitr%C3%A4ge_zur_Geschichte_deutschen/g2kAAAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Johann+G%C3%BCth+1629&pg=PA31&printsec=frontcover&bshm=rime/1 und https://books.google.de/books?id=MlFoAAAAcAAJ&lpg=PA327&ots=CYn8rfSK6x&dq=%22johann%20g%C3%BCth%22%20Meiningen&hl=de&pg=PA327#v=onepage&q&f=false</ref> Güths Gedicht ist das längste. Auch er stellt (ebenso wie Polycarp Leyser, dessen Vorrede er sicher kannte) den Bezug zu Kolosser 3:16 her und sieht Steuerleins Arbeit in erster Linie als ernstes und frommes Werk der Bibelauslegung, das zugleich die Übersetzungsleistung Martin Luthers fortführt und zu geistlichen Früchten wie "rechter Glaube, Frömmigkeit, brennende Liebe, Demut, die Furcht vor dem höchsten NAMEN" anregen werde. | ||
* Johann(es) Friedrich (1575-1642), Archidiakon zu Meiningen.<ref>https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=meiningen&ID=I10654&lang=de</ref> Friedrich bringt in seinem kurzen Gedicht | * Johann(es) Friedrich (1575-1642), Archidiakon zu Meiningen.<ref>https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=meiningen&ID=I10654&lang=de</ref> Friedrich bringt in seinem kurzen Gedicht ein Zitat aus Horaz <i>Von der Dichtungkunst</i>: "Und neun Jahre sei es verborgen" und spielt damit auf die 8-jährige Schaffensperiode des Werkes an. Seine Bezeichnung ''Biblia Rhythmica'' kann (nicht ganz deckungsgleich) mit "Reimbibel" übersetzt werden. | ||
* Caspar Halbich (1572-1632), Diakon zu Meiningen.<ref>https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=meiningen&ID=I12441&lang=de und https://www.google.de/books/edition/Neue_beitr%C3%A4ge_zur_Geschichte_deutschen/o2QOAAAAYAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=%22Caspar+Halbich%22+%22Meiningen%22&pg=PA74&printsec=frontcover&bshm=rime/1,rime/1</ref> Halbichs kurzes Gedicht preist die vielfältigen Wege das Wort Gottes zu verbreiten, von denen Steuerlein ebenfalls durch seine Talente Gebrauch machen konnte. | * Caspar Halbich (1572-1632), Diakon zu Meiningen.<ref>https://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=meiningen&ID=I12441&lang=de und https://www.google.de/books/edition/Neue_beitr%C3%A4ge_zur_Geschichte_deutschen/o2QOAAAAYAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=%22Caspar+Halbich%22+%22Meiningen%22&pg=PA74&printsec=frontcover&bshm=rime/1,rime/1</ref> Halbichs kurzes Gedicht preist die vielfältigen Wege das Wort Gottes zu verbreiten, von denen Steuerlein ebenfalls durch seine Talente Gebrauch machen konnte. | ||
* Johann Ebert, (+1650), Dekan zu Kühndorf.<ref>https://www.google.de/books/edition/Biographische_und_litterarische_Nachrich/Msk5AAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Johann+Ebert+K%C3%BChndorf&pg=PA286&printsec=frontcover&bshm=rime/1</ref> Eberts Gedicht ist vielleicht das bemerkenswerteste von allen, weil | * Johann Ebert, (+1650), Dekan zu Kühndorf.<ref>https://www.google.de/books/edition/Biographische_und_litterarische_Nachrich/Msk5AAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=Johann+Ebert+K%C3%BChndorf&pg=PA286&printsec=frontcover&bshm=rime/1</ref> Eberts Gedicht ist vielleicht das bemerkenswerteste von allen, weil er den zeitgenössischen Kontext und die unterschiedlichen Auffassungen von evangelischer und katholischer Seite im Hinblick auf Bibelübersetzungen in die Volkssprachen anspricht: Volkssprachliche Übersetzungen bürgen die Gefahr, dass "Ungeschulte" mit biblischen Geschichten konfrontiert würden, die einzuordnen ihnen die Kompetenz fehlen würde und für den Glauben eine Gefahr darstelle. Er spielt damit auf die Beschlüsse des katholischen Konzils von Trient (1545-1563) an, das den Druck von volkssprachlichen Übersetzungen strikt regelte und den Zugang zu ihnen einschränkte. Steuerlein werde - so die ironisierende Übertreibung des evangelischen Pfarrers - mit seiner Reimbibel gewiss als "Oberketzer" (''Heresiarcha'') eingestuft werden und Unruhen hervorrufen, wenn die Jugend schwere biblische Inhalte in "hüpfendem Metrum" zu lesen bekäme. Ebert kommt natürlich in Abwägung der Positionen, Gottes Wort entweder bekannter zu machen oder doch sicherheitshalber zu verschließen, zu dem gut reformatorischen Schluss, dass man doch die "durstigen Hirsche" vom Quell trinken lassen müsse (vgl. Psalm 42:2), auch wenn man damit zugleich "Schweine sättigt", die man eigentlich an den Styx (den Fluss der Unterwelt = Hölle) treiben müsste. In einer weiteren Andeutung spielt er nebenbei spielt auf die Kriegsgefahr dieser Zeit an und meint das mögliche Eingreifen Frankreich in den Jülisch-Klevischen Erbstreit (1609/1610), womit er einen Hinweis auf die Abfassungszeit seines Gedichtes gibt. Es muss vermutlich noch vor oder kurz nach der Ermordung des französischen Königs Heinrich IV. (14. Mai 1610) verfasst sein, da sich die politische Lage danach entspannte. | ||
==Inhaltsverzeichnis Altes Testament (Abschrift nach der Handschrift)== | ==Inhaltsverzeichnis Altes Testament (Abschrift nach der Handschrift)== | ||