Johann Steuerlein: Unterschied zwischen den Versionen
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Nach dem Tod des Vaters wurde Johann Steuerlein mit 13 Jahren an die Lateinschule nach Magdeburg geschickt. Dort war Gallus Dressler als Nachfolge der 1556 verstorbenen Martin Agricola zum Kantor berufen worden (bis 1574). Vermutlich hatte dieser prägenden Einfluss auf Steuerleins musikalische Ausbildung.<ref>Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass sein Bruder Caspar Steuerlein (Casparus Sturnus Smalchaldensis) 1565 ein Widmungsgedicht auf Dressler verfasste, dass als einzige Quelle für den Aufenthalt des Letzteren in Flandern („Regio Belgica“) und den Einfluß der niederländischen Musiktradition darstellt.</ref> | Nach dem Tod des Vaters wurde Johann Steuerlein mit 13 Jahren an die Lateinschule nach Magdeburg geschickt. Dort war Gallus Dressler als Nachfolge der 1556 verstorbenen Martin Agricola zum Kantor berufen worden (bis 1574). Vermutlich hatte dieser prägenden Einfluss auf Steuerleins musikalische Ausbildung.<ref>Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass sein Bruder Caspar Steuerlein (Casparus Sturnus Smalchaldensis) 1565 ein Widmungsgedicht auf Dressler verfasste, dass als einzige Quelle für den Aufenthalt des Letzteren in Flandern („Regio Belgica“) und den Einfluß der niederländischen Musiktradition darstellt.</ref> | ||
Am 31. Mai 1562 schrieb er sich als Student in die Wittenberger Matrikel ein („Johannes Steurlin Schmalcalden“)<ref>https://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/pageview/2513723 </ref>, dessen genauer Inhalt nicht überliefert ist. Er musste sein Studium aber aus finanziellen Gründe 1564 unterbrechen und ging zu seinem Bruder Nicolaus nach Herrenbreitungen, wo ihn Graf Poppo XII. von Henneberg-Schleusingen (1513–1574)<ref>Steuerlein schrieb 1574 einen Grabgesang für Graf Poppo: <i>Intereunt justi</i>(o.O., 1574) [SteuWV 1]. Neuausgabe: <i>Johann Steurlein: Intereunt justi und 21 geistliche Lieder</i> Hrsg. von Harald Uhlemann. Schmalkalden: 2009.</ref> in den Dienst eines Kanzlisten aufnahm. | Am 31. Mai 1562 schrieb er sich als Student in die Wittenberger Matrikel ein („Johannes Steurlin Schmalcalden“)<ref>https://digital.bibliothek.uni-halle.de/hd/content/pageview/2513723 </ref>, dessen genauer Inhalt nicht überliefert ist. Er musste sein Studium aber aus finanziellen Gründe 1564 unterbrechen und ging zu seinem Bruder Nicolaus nach Herrenbreitungen, wo ihn Graf Poppo XII. von Henneberg-Schleusingen (1513–1574)<ref>Steuerlein schrieb 1574 einen Grabgesang für Graf Poppo: <i>Intereunt justi</i>(o.O., 1574) [SteuWV 1]. Neuausgabe: <i>Johann Steurlein: Intereunt justi und 21 geistliche Lieder</i> Hrsg. von Harald Uhlemann. Schmalkalden: 2009.</ref> in den Dienst eines Kanzlisten aufnahm. Graf Poppo schlug ihn 1567 dem Rat der Stadt Wasungen als Stadtschreiber vor, da der damalige Amtsinhaber Georg Fulda durch Alter und Krankheit amtsunfähig war. Allerdings konnte sich der Rat aus Rücksicht auf Fulda nicht zu einer Abberufung entschließen, so dass Steuerlein zunächst abermals Vorlesungen in Wittenberg und Jena besucht und schließlich eine gleiche Stellung in Kirchheim (Pfalz) antreten wollte. Allerdings wurde er durch einen Traum, der im angezeigt haben soll, dass der alte Stadtschreiber zwischenzeitlich verstorben war, zur Umkehr bewogen.<ref>Johannes Mötsch: "Johann Steuerlein als landesherrlicher Diener." In: <i>Johann Steurlein (1546–1613) – Amtsdiener, Komponist und Poet zwischen Tradition und Innovation</i> (Wissenschaftliche Tagung Meininger Museen 2013). Hrsg. v. Maren Goltz u. Bernhard Schrammek. Beeskow, Ortus Musikverlag, 2014, S. 5–11, 7.</ref> | ||
Graf Poppo schlug ihn 1567 dem Rat der Stadt Wasungen als Stadtschreiber vor, da der damalige Amtsinhaber Georg Fulda durch Alter und Krankheit amtsunfähig war. Allerdings konnte sich der Rat aus Rücksicht auf Fulda nicht zu einer Abberufung entschließen, so dass Steuerlein zunächst abermals Vorlesungen in Wittenberg und Jena besucht und schließlich eine gleiche Stellung in Kirchheim (Pfalz) antreten wollte. Allerdings wurde er durch einen Traum, der im angezeigt haben soll, dass der alte Stadtschreiber zwischenzeitlich verstorben war, zur Umkehr bewogen.<ref>Johannes Mötsch: "Johann Steuerlein als landesherrlicher Diener." In: <i>Johann Steurlein (1546–1613) – Amtsdiener, Komponist und Poet zwischen Tradition und Innovation</i> (Wissenschaftliche Tagung Meininger Museen 2013). Hrsg. v. Maren Goltz u. Bernhard Schrammek. Beeskow, Ortus Musikverlag, 2014, S. 5–11, 7.</ref> | |||
=== Stadtschreiber und Kantor in Wasungen (1569–1589), Heirat und Familie === | === Stadtschreiber und Kantor in Wasungen (1569–1589), Heirat und Familie === | ||
1569 trat er das Stadtschreiberamt in Wasungen an. Im gleichen Jahr heiratete er Anna Bissmann mit der er acht Kinder hatte, 5 Söhne (Conrad Caspar, Moritz, Johann, Franz, Christoph) und 3 Töchter (Anna (unsicher), Anna Maria, Otilia), sowie zum Zeitpunkt seines Todes | 1569 trat er das Stadtschreiberamt in Wasungen an. Im gleichen Jahr heiratete er Anna Bissmann mit der er acht Kinder hatte, 5 Söhne (Conrad Caspar, Moritz, Johann, Franz, Christoph) und 3 Töchter (Anna (unsicher), Anna Maria, Otilia), sowie zum Zeitpunkt seines Todes bereits 43 Enkelkinder (davon 25 noch am Leben). Ab 1571 war er auch Organist und Kantor an der städtischen Schule und gilt gemeinhin als Lehrer des späteren Kantors und Komponisten Melchior Vulpius. | ||
=== Kanzleisekretär in Meiningen (1589–1603)=== | === Kanzleisekretär in Meiningen (1589–1603)=== | ||
1589 wurde Johann Steuerlein zum Kanzlei-Sekretär nach Meiningen berufen, wo er als Stellvertreter des Kanzlers der | 1589 wurde Johann Steuerlein zum Kanzlei-Sekretär nach Meiningen berufen, wo er als Stellvertreter des Kanzlers der Hennebergischen Kanzlei und Vorgesetzter der Kanzlisten wirkte. In dieser Zeit übte er zwischen 1591 und 1596 auch das Amt des Obersteuereinnehmers aus. Aufgrund nachlassender Sehkraft reichte Steuerlein 1603 seinen Abschied vom Amt ein. | ||
=== Stadtschultheiß von Meiningen (1604–1612) === | === Stadtschultheiß von Meiningen (1604–1612) === | ||
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== Wirken == | == Wirken == | ||
Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Träger öffentlicher Ämter und Notar wirkte Johann Steuerlein als Dichter, Komponist und Chronist. Das 2013 von Harald Uhlemann | Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Träger öffentlicher Ämter und Notar wirkte Johann Steuerlein als Dichter, Komponist und Chronist. Das 2013 von Harald Uhlemann zusammengestellte „Steurlein-Werkverzeichnis“ (SteuWV)<ref>Harald Uhlemann: "Steuerlein-Werkverzeichnis (Steu-WV)." In: <i>Johann Steurlein (1546–1613) – Amtsdiener, Komponist und Poet zwischen Tradition und Innovation (Wissenschaftliche Tagung Meininger Museen 2013).</i> Hrsg. v. Maren Goltz u. Bernhard Schrammek. Beeskow, Ortus Musikverlag, 2014, S. 171–206.</ref> unterscheidet dabei zwischen seinen musikalischen, (teils fragmentarisch) überlieferten (Nr. 1 bis 24) und verschollenen Werken (Nr. 25 bis 33) und seinen (sonstigen) Schriften (Nr. 34 bis 41)). Steuerlein war aufgrund seiner Stellung in der Lage viele seiner Werke drucken zu lassen. | ||
=== Musikalische Werke (Auswahl) === | === Musikalische Werke (Auswahl) === | ||
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* Die Lebensbeschreibung („Cursus Vitae“) des Sächsischen Rentmeisters Caspar Bohner (in deutschen Reimen), Druck: Schleusingen: Sebastian Schmuck, 1609 [SteuWV 38]. | * Die Lebensbeschreibung („Cursus Vitae“) des Sächsischen Rentmeisters Caspar Bohner (in deutschen Reimen), Druck: Schleusingen: Sebastian Schmuck, 1609 [SteuWV 38]. | ||
* Eine Beschreibung des „Altenburger Prinzenraubs“ (1455, „Wahrhafftige Geschicht“, in deutschen Reimen). Möglicherweise auf Grundlage der Komödie „Plagium“ von Bartholomäus Ringwaldt (1597), Druck: Schleusingen: Sebastian Schmuck, 1609 [SteuWV 40]. | * Eine Beschreibung des „Altenburger Prinzenraubs“ (1455, „Wahrhafftige Geschicht“, in deutschen Reimen). Möglicherweise auf Grundlage der Komödie „Plagium“ von Bartholomäus Ringwaldt (1597), Druck: Schleusingen: Sebastian Schmuck, 1609 [SteuWV 40]. | ||
* Eine Beschreibung der Pilgerfahrt Herzog Albrecht des | * Eine Beschreibung der Pilgerfahrt Herzog Albrecht des Beherzten von Sachsen ins Heilige Land (1476), auf Grundlage des Berichts Hans Mergenthals in deutsche Reimverse übertragen, Druck: Jena: Johannes Weidner, 1611 [SteuWV 41]. | ||
== Quellen und Literatur == | == Quellen und Literatur == | ||
* * ''Johann Steurlein (1546–1613) – Amtsdiener, Komponist und Poet zwischen Tradition und Innovation'' (Wissenschaftliche Tagung Meininger Museen 2013). Hrsg. v. Maren Goltz u. Bernhard Schrammek. Beeskow, Ortus Musikverlag, 2014. | * Johann Güthe: <i>Eine TrostPredigt / Uber die hertzbrechende und hertzsterckende Wort Christi/ Johann. 14. Ewer Hertz erschrecke nicht/ [et]c. : Bey der ansehentlichen Leichbestattung weiland des [...] Herrn Johan[n] Steurleins S: Anfangs gewesenen Stadschreibers zu Wasingen: Hernacher Chur: und Fürst: Sächs: in die F. Graffschafft Hennenberg verordneten Cantzley-Secretarii, und endlichen Stad-Schultheisen zu Meiningen [...].</i> Schleusingen: Sebastian Schmuck, 1614. [https://dhb.thulb.uni-jena.de/receive/ufb_cbu_00039816 Digitalisat]. | ||
* ''Johann Steurlein (1546–1613) – Amtsdiener, Komponist und Poet zwischen Tradition und Innovation'' (Wissenschaftliche Tagung Meininger Museen 2013). Hrsg. v. Maren Goltz u. Bernhard Schrammek. Beeskow, Ortus Musikverlag, 2014. | |||
== Einzelnachweise und Anmerkungen == | == Einzelnachweise und Anmerkungen == | ||
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